Die Klosterruine Disibodenberg
liegt im Kreis Bad Kreuznach an der Mündung der Glan in die
Nahe bei Odernheim. Der Disibodenberg -rd. 170 m hoch - liegt rd.
50 km von Rüdesheim a. Rh. entfernt. Der Bereich des ehemaligen
Klosters ist jetzt ein kleiner Park. Vor rd. 150 Jahren pflanzte
der damalige Eigentümer zwischen den Ruinen Bäume und
Sträucher an, die heute den Berg beherrschen. Dieser Park
ist eine Oase der Stille und des Gedenkens, die Klosterruinen erinnern
an die Bedeutung des Ortes in vergangenen Zeiten. Auf einem ausgeschilderten
Weg werden die verbliebenen Reste der Bauwerke auf Tafeln erläutert.
Der Ruinenbereich wurde 1989 von den jetzigen Eigentümern
einer eigens gegründeten Stiftung, der “Disibodenberger
Scivias-Stiftung” übertragen, die ihren Namen nach einer
der wichtigsten Schriften der Hildegard von Bingen erhielt. In
der 2. Hälfte des 20. Jahrh. wurden Grabungen und Restaurierungsmaßnahmen
zur Erforschung und Erhaltung der Ruinen und ihrer Geschichte durchgeführt;
die wichtigsten und interessantesten Fundstücke sind in einem
kleinen Museum ausgestellt.
Geschichte: Der Namensgeber des Disibodenberges
wurde wahrscheinlich um 600 n. Chr. In Irland geboren. Nach frommer
Tätigkeit in Irland
und im fränkischen Westreich wurde er vom Bischof in Mainz
auf dem Disibodenberg eingesetzt, wo er mit einigen Gefährten
eine Klause errichtete. Er starb wahrscheinlich 674 und wurde auf
dem nach ihm benannten Berg begraben. Um 745 stand dort -unter
Bischof Bonifatius- eine Kirche, später wurde daneben ein
Benediktinerkloster gegründet. Nach Zerstörung dieser
Anlagen und Vertreibung der Mönche zur Zeit der Ungarneinfälle
ließ Erzbischof Willigis um 1000 eine neue Kirche und die
notwendigen Gebäude für 12 Kanoniker (Augustiner-Chorherren)
errichten, der Erzbischof war hier auch Grund- und Gerichtsherr.
Erzbischof Ruthard von Mainz, der Benediktiner war, setzte um 1100
anstelle der Augustiner-Chorherren wieder Benediktiner ein und
begann mit dem Bau einer neuen Klosteranlage. Ruthard gründete
auch eine Frauenklause, die von Gräfin Jutta aus der Familie
der Grafen von Sponheim geleitet wurde. 1112 wurde Hildegard (von
Bingen) mit 14 Jahren von ihren reich begüterten Eltern aus
Bermersheim bei Alzey in diese Frauenklause gegeben; die Mutter
Hildegards stammte aus dem Ritter- und Herrengeschlecht von Merxheim,
das mit den Sponheimern in Verbindung stand.
Nach dem Tod der Gräfin Jutta von Sponheim wurde Hildegard
1136 Leiterin (“Meisterin”) der Frauenklause. Um 1150
zog Hildegard mit 20 Nonnen vom Disibodenberg nach Bingen und gründete
dort auf dem Rupertsberg an der Nahe ein eigenes Benediktinerinnenkloster,
dem nach einigen Jahren ein Tochterkloster in Eibingen folgte.
Das Kloster Disibodenberg wurde nach vorangegangener Zerstörung
1259 vom Erzbischof in Mainz den Zisterziensern im Kloster Otterberg
bei Kaiserslautern übertragen, für das nach den Regeln
des Ordens das Kloster Eberbach im Rheingau in vieler Hinsicht
zuständig war. Nach weiteren Zerstörungen im 15. Und
16. Jahrh. durch Truppen der Kurfürsten von der Pfalz auch
im Zusammenhang mit der Reformation wurde das Kloster 1559 aufgegeben
und dem Herzog von Zweibrücken übergeben.
Literatur: Dr. Werner Vogt, Geschichte des Disibodenbergs an der
Nahe, Führungsheft im Eigenverlag, 4. Auflage 2004 mit weiteren
Nachweisen.
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